Zacharias: Wenn Gott alte Gebete plötzlich erhört

Liebe Freunde von Amen.de,

Gott hat dein Gebet erhört – wäre das nicht grandios, wenn das jemand zu uns sagen würde?

Viele von uns haben in diesem Jahr viel Zeit im Gebet verbracht – still, mit inneren Worten, vielleicht laut singend und tanzend. Und was jetzt? Nach dem Beten steht die Erwartung – dass Gott reagiert, irgendwie.

Wie macht Gott das?

Das kann man natürlich nicht allgemein sagen. Aber auf eine Eigenart möchte ich hinweisen, wie es zugehen kann, wenn Gott Gebete erhört. Ich habe das neulich gefunden in einer der Adventsgeschichten des Neuen Testaments. Damit meine ich all das, was vor der Geburt von Jesus passiert ist. Am Anfang des Lukasevangeliums begegnen wir einigen Menschen, die Gott an der Vorbereitung auf den Messias beteiligt hat. Einer davon ist der Priester Zacharias. Der bekam genau diese Worte während eines Gottesdienstes gesagt:

Gott hat dein Gebet erhört.

Wie kam es zu diesem Satz? Zacharias hat ganz nach den Vorschriften seine Arbeit im Tempel in Jerusalem verrichtet. Mitten in den heiligen Abläufen, die er erlernt hat, kam ein Engel zu ihm, wie aus dem Nichts, und der sagte: „Fürchte dich nicht, Zacharias! Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn schenken, und den sollst du Johannes nennen.“ Dieser Johannes ist dann später Johannes der Täufer. Zacharias bekommt eine Engelsbotschaft, weil diese Schwangerschaft und diese Geburt etwas sehr Besonderes sind. Eigentlich war die Zeit des Kinderkriegens längst vorbei für ihn und seine Frau. Erstens war das Paar medizinisch gar nicht in der Lage, Kinder zu bekommen – das hatte sich im Laufe der Zeit herausgestellt. Und zweitens waren beide jetzt schon alt. In jedem Fall wären eigene Kinder also kein Thema mehr. Und jetzt, nach all den Jahren, sagt Gott zu Zacharias: Dein Gebet ist erhört. 

Ein Gebet von irgendwann

Was bedeutet das? Was war es denn für ein Gebet gewesen? Wann hat Zacharias denn gebetet? Wahrscheinlich ja in jüngeren Jahren, als er und Elisabeth sich um Kinder bemüht haben. Das ging sicher jahrelang so. Aber irgendwann haben sie einen Schlussstrich gezogen und das Thema abgehakt – das zeigt die Antwort an den Engel: „‚Wie kann ich sicher sein, dass das wirklich geschieht?‘, fragte Zacharias. ‚Schließlich bin ich ein alter Mann und auch meine Frau ist nicht mehr jung.‘“ Mit anderen Worten: Da geht doch nichts mehr bei uns. Im Bett vielleicht schon, wer weiß, aber nicht mehr im Wochenbett.

Das Gebet, das Gott jetzt erhört hat, ist ein Jahrzehnte altes Gebet! Ein Gebet der Vergangenheit, das seine Zeit gehabt hatte und dann irgendwann eingestellt wurde und an das der Beter dann auch keine Erwartung mehr geknüpft hat.

Ein Gebet, das seine Zeit gehabt hat – beim Beter. Beim Beter Zacharias war es nicht mehr aktuell. Bei Gott allerdings schon. Bei Gott hat das Gebet seine Zeit immer noch, es ist vor ihm präsent, lange nachdem es gebetet wurde und dann schon nicht mehr gebetet wurde. Jetzt hat Gott es erhört. Zeitversetzt. Verzögert. Und diese Verzögerung war sicher eine große Belastung gewesen. Sie war quälend. Als Mensch, als Beter hält man es irgendwann nicht mehr durch, die Hoffnung hochzuhalten, die Flamme der Erwartung immer neu zu nähren. Als Mensch, als Beter setzt einem diese Spannung irgendwann so sehr zu, dass man ausgelutscht ist und das Beten und die Hoffnung sein lässt. Macht nichts. Gott hält bei sich die Spannung weiter aufrecht und erhört ein Gebet von damals. Ein Gebet, das früher laut geworden ist, aber jetzt längst schweigt.

Ihr merkt sicher, dass mein Thema nicht die Familienplanung ist und der unerfüllte Kinderwunsch. Sondern mich hat angerührt, als ich das Wort des Engels vor ein paar Wochen gelesen habe, dass Gott jetzt etwas ans Tageslicht holt, das der Beter lange schon begraben hat. Ich habe viele Gebete in meinem Leben, deren Zeit mittlerweile vorbei ist. Nach meiner Zeitrechnung. Das Leben hat neue Tatsachen geschaffen und wenn ich klug bin, stelle ich mich darauf ein. Ich lese aber jetzt in der Bibel: Bei einzelnen Gebeten kann es so sein, dass meine Zeitrechnung nicht stimmt. Gott nimmt mein Gebet ernster als ich. Gott hat nicht jedes Gebet weggeheftet und unauffindbar in der Ablage versenkt, nur weil ich das mit meinem Gebet gemacht habe. Mein altes Gebet ist bei ihm noch präsent.

Gott erhört, aber wir sind es, die handeln müssen

Was passiert jetzt? Was erleben Zacharias und Elisabeth nun? Zacharias stellt seine Rückfrage – und der Engel bekräftigt seine Ansage: „Was ich gesagt habe, wird zur gegebenen Zeit eintreffen.“ Also – das Gebet ist erhört. Diese Tatsache liegt vor, davon kann man ausgehen. Aber das Anliegen, wofür gebetet wurde, das ist noch nicht eingetroffen. Es wird aber eintreffen – zur gegebenen Zeit. Das ist noch mal eine kleine Wartezeit, ein kleiner Spanungsbogen nach dem großen jahrzehntelangen Spannungsbogen. Auch diese Momentaufnahme gibt es also aus einem Leben: Ein Gebet ist bereits erhört, auch wenn es noch nicht eingetroffen ist. Deine Situation vielleicht?

Zur gegebenen Zeit wird es eintreffen, und jetzt kommen Elisabeth und Zacharias ins Spiel. Bei den beiden hat Gott ja keine Jungfrauengeburt geplant. Also müssen sie aus der Engelsbotschaft Konsequenzen ziehen und noch mal ein erotisches Stündchen arrangieren. Ganz alleine macht Gott es nicht. Und dann ist die gegebene Zeit da und Elisabeth ist schwanger und das erbetene Kind wird geboren werden.

Es gibt Zeiten, da kann man als Beter gar nichts anderes machen als Beten und darum kämpfen, dass die Hoffnung nicht zerbricht. Es gibt Zeiten, da hat man gebetet und den Kampf um die Hoffnung verloren. Und es gibt Zeiten, da hat Gott eine Hoffnung entfacht – und als Beter muss man dann Konsequenzen ziehen und was machen.

Wir haben in diesem Jahr viel gebetet – in den nächsten Tagen werden wir die Million knacken. Ich weiß nicht, was Gott mit diesen Gebeten macht. Aber ich glaube, dass sie bei ihm ganz anders präsent sind als bei uns, nachdem wir gebetet haben. Bei uns sind es schnell alte Gebete, bei Gott aber immer aktuelle Gebete.

Am Ende alles gut?

Oscar Wilde hat angeblich gesagt: „Am Ende wird alles gut sein. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Ich habe sehr überlegt, ob das stimmt. Oder ob es ein platter Mutmachspruch ist, einer fürs Poesiealbum oder für aphorismen.de. Ich meine, der Satz stimmt. Zumindest können wir ihn „taufen“, das heißt von Gott her annehmen. Klar, fast jeder lebt mit irgendeiner Gebrochenheit. Bei keinem geht im Leben alles glatt auf. Manches ist erst in der Ewigkeit wirklich gut. Aber dann eben doch, und vorher war es noch nicht das Ende. Die Ewigkeit müssen wir schon hinzunehmen. Ich nehme aber aus der biblischen Erzählung von Zacharias mit, aus dem Engelwort „Gott hat dein Gebet erhört“: Dass am Ende alles gut sein wird, das kann sich durchaus auch schon innerhalb meines Lebens einlösen. Später als gedacht vielleicht. Quälend viel später. Aber Gott hat seine eigene Zeitrechnung. Also – Zacharias würde diesen Satz vielleicht unterschreiben.

– Ulrich Wendel, Redakteur des Magazins „Faszination Bibel„. Der Artikel erschien zuerst auf seinem Blog „Herdenfutter„.

10 Kommentare
  1. Josef Kohl says:

    Tja, „hierzu“ habe ich auch einschlägige Erfahrungen – nämlich mit
    – „sofort“ erhörten Gebeten, mit
    – „zeitnah“ – mit
    – „später“ –
    – „viel später“ – oder
    – noch ausstehenden
    Gebetserhörungen!

    Und – ich habe mit „Gebetserhörungen“ Erfahrungen, zu denen ich auf Grund der Eile der Zeit erst nach einem Geschehen dankend kam – als Unfälle passiert sind, bei denen ich noch nicht einmal ein gehetztes Gebet sprechen oder „denken“ konnte…
    Daher ich WEISS, dass Gott nichts verzögert!

    Somit gehe ich immer davon aus, dass Gott sehr genau weiß, wann der richtige Zeitpunkt für eine Erhörung – oder für weiteres „zuwarten“ vorliegt!

    Danke, Herr, für alle Deine Hilfen – zu welcher Zeit auch immer sie erfolgen oder noch nicht erfolgen – und… bitte gib mir Geduld, dann auch mal zu warten – oder zu akzeptieren, dass mein Wille nicht das ist, was DU für mich aus Deiner Sicht im Moment dann unterstützen willst.
    Das ist dann auch in Ordnung „SO“, weil ich ja weiß, dass DU immer nur das Beste für mich willst – auch wenn ich kleiner Dummkopf das nicht immer gleich kapiere….
    😉

  2. Josef Kohl says:

    Beispiel – für „noch nicht erhört“ – meine Frau, wie auch ein Bekannter haben kürzlich bei uns auf dem Grundstück ihre Schlüsselbunde mit Auto- und Hausschlüssel verloren. Trotz vieler Gebete – (noch) nix…
    Aber Gott hat es wohl für noch nicht richtig angesehen – also haben wir am Besten auch Geduuuld!

    Es geht auch anders:
    Vor zwei Wochen besuchte ich jemanden im Rahmen meiner Hospiz-Tätigkeit. Mir wurde berichtet, dass soeben die Tochter beim Einkauf den Schlüsselbund verloren habe – und am Auto stand mit vollen Taschen – aber …. Alles Suchen in den bis dahin erfolgten Geschäften und auf dem Weg war leider erfolglos. Allerdings habe sie die Telefonnummer ihres Handy und die Tel.Nr. der Mutter in den besuchten Geschäften hinterlassen.

    Ein paar Minuten später steht die Tochter bedröppelt neben uns und berichtete. Ich sagte „In solchen Situationen bete ich zu Gott, dass man den Schlüssel wieder finden möge!“ Darauf sie „Das habe ich auf dem Weg hierher auch schon getan!“ Die Mutter -„Ja, ich bete auch bei so was immer zum Hl. Antonius“ – Darauf ich „Neee – ich gehe gleich nach ganz oben!“ – Und alles lachte…

    Dann verließ uns die traurige Tochter. Da klingelte gleich darauf das Telefon – die Mutter „quietschte“ und sauste aus dem Wohnzimmer hinter ihr her und rief den Namen der Tochter – die derweil schon, wie man am Zuschlagen der Autotür hörte, im Auto saß… Dann kam die Mutter zurück – zeigte auf die Füße und sagte lachend: „Ich bin gleich in Socken hinter ihr her – sie kann den Schlüssel wieder abholen – ein Kind hat ihn in einem „Wühlkorb“ in einem Geschäft gefunden und an der Kasse abgeliefert!“

    Lieber Gott – vielen Dank!

    Was sagt uns das? Ein jegliches hat seine Zeit? – Oder?

  3. E. says:

    Danke für den ermutigenden Text. Wir haben vor einigen Wochen auch eine „etwas späte“ Gebetserhörung erlebt: wir beteten für eine Schwangerschaft über 1,5 Jahre hinweg. Nichts tat sich. Nun bin ich schwanger – mit Zwillingen.
    Ich habe mit 17 mir gewünscht, daß ich mal Zwillinge habe – aber nie dafür gebetet. Es war einfach ein Wunsch…
    So kann auch eine „Gebetserhörung“ erfolgen 🙂

    • Marcus says:

      Das freut mich so für Dich das Dein Wunsch in Erfüllung gegangen ist!!

      Mir ging es mal ähnlich. In meiner schwersten Zeit war es, als ob mir ganz viele Wünsche gleichzeitig erfüllt wurden, von denen ich schon vergessen hatte, dass ich sie mal hatte und mein gebrochenes ich erfuhr ein wunderbares Seelenheil. :]

      Gott kennt uns halt „etwas“ besser als wir selbst….Und wenn wir uns bemühen uns selbst zu erkennen und die Erkenntnisse die wir sammeln umsetzen wird man dafür sogar belohnt *smile*

      Wünsche Dir und deinen Beiden alles Gute!!

      Ehre sei unserem Heiligen Vater jetzt und in Ewigkeit!!! <3

  4. Myca says:

    All diese Texte waren mir besonders heute ein ganz großer Trost. Es war Fügung, dass ich gerade heute auf diesen Link ging. Dafür danke ich Gott und bitte ihn, meine Tochter heute Nacht zu beschützen.

  5. Benjamin says:

    Es stimmt…ich durfte viele male – zeitversetzt – erfahren das Gott auf mich schaut und mich behütet….ich hätte eigentlich mind. 5 mal nicht mehr auf der Erde sein dürfen….da war Gott im selben Moment zur Stelle….er weiß schon wann die Zeit da ist gebete zu erhören….oder zu reagieren…ganz ohne Gebet. Trotz dessen das auch ich immer mal wieder hadere und wütend/ verzweifelt werde…weiß ich gaaaanz tief in mir drin: Gott hört mich…nur entscheidet ER wann er mir das zeigen möchte und wie. Pax vobiscum!

  6. M. B. says:

    Wahrscheinlich weiß ich tief in meinem Herzen, dass Gott Gebete erhört.
    Nur trotz aller Gebete, incl. Wallfahrten ist mein Leben Stück für Stück zerbrochen. Ich hab alles verloren, das Schicksal war unerbittlich! Ich hab mich zwar immer wieder aufgerappelt, aber ein sinnerfuelltes, meinen Gaben entsprechendes Leben war es nicht. Vieles kann ich nicht in Worte fassen. Und die Zeit, meine Zeit verrinnt immer schneller!
    Jetzt kommt beinahe Panik auf, war denn alles umsonst???
    Seit beinahe 20 Jahren bete ich für einen Ehemann, einen Seelenpartner – wieder nichts, ich bin so allein; einfach zum Verzweifeln. Und ich weiß nicht weiter, was habe ich noch nicht getan? Was mache ich falsch, hört Gott mich nicht?!

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