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Inniges gebet

Wie Kurzgebete im Alltag Kraft freisetzen

Wenn der Alltag an den Kräften zehrt, dann kann das Gebet Kraft spenden. Sieben Tipps für das Gespräch mit Gott. 

1. Menschen segnen

Im Wort „segnen“ steckt die lateinische Form „benedicare“, was so viel wie „gut sagen“ bedeutet. Wenn wir andere segnen, erbitten wir Gutes von Gott für sie, sagen ihnen Gottes gute Begleitung zu. Es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass von uns Segen und Leben ausgeht. Segnen ist die beste Medizin gegen meine Beteiligung am Firmenklatsch, der sich vom Getuschel, Unterstellungen und Geläster nährt. Ganz praktisch sieht das so aus, dass ich zwischendurch bei den Personen, denen ich gerade begegne, still zu Gott sage: „Jesus, segne Sven“, „Herr, du weißt, was William braucht“.

2. Kleinigkeiten für Jesus

In jedem Unternehmen sind die Arbeitsabläufe klar geregelt. Jeder weiß, was er zu tun hat. Da kann es dann durchaus positiv irritieren, wenn man von sich aus bereit ist, Kleinigkeiten für Jesus und den Mitmenschen zu tun, die diesen Rahmen sprengen. Diese geistliche Übung geht auf Thérèse von Lisieux (1873-1897) zurück und heißt in meinem Fall: Wenn es sich ergibt, lege ich die Einmalhandtuch-Rollen in die Halterung, auch wenn das die Aufgabe der Auszubildenden ist. Oder ich bekomme von meinem Kollegen mit, dass er wegen der Kinder eigentlich gerade dringend zu Hause gebraucht wird. So biete ich ihm an, dass er früher gehen kann und ich seine Arbeit dann mit erledige.

3. Hosentaschengebet

Mir geht es oft so, dass ich zwar morgens einen Bibeltext lese, ihn jedoch eine Stunde später mitsamt seinem Zuspruch schon wieder vergessen habe. Deshalb fing ich damit an, mir wichtige Bibelverse auf einen kleinen Zettel zu schreiben. Lange Verse kürzte ich auf die Kernbedeutung mit maximal 10 Worten. Diesen Bibelvers trug ich den ganzen Tag mit mir herum. Wenn ich bei der Arbeit an ihn dachte, betete ich ihn. Oder – was meistens der Fall war – ich konnte mich nicht mehr so recht an den genauen Wortlaut erinnern und holte ihn buchstäblich aus der Hosentasche. In meinem Leben habe ich keine Zeit erlebt, wo Gottes Wort so unmittelbar und so intensiv zu mir gesprochen hat. Es hat mich durch den Tag getragen.

4. Ich-Versteh-Dich-Nicht-Gebet

Jeder von uns hat so seine biografischen Knicke. Bei mir ist es der Verlust der geliebten Dozentenstelle, Depression mit Klinikaufenthalt, schwierige berufliche Neuorientierung und die Liquidierung meiner Import-Export-GmbH. In diesen Alptraum-Situationen hat mich ein Gebet von Mutter Basilea Schlink über Jahre tief geprägt: „Vater, ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir. Du bist Liebe, nichts als Liebe.“ Ich weiß nicht, wie viele 1.000 Male ich das gebetet habe. Dieses Gebet half mir, den Fokus auf Gott, seine Liebe und seine liebende Führung zu legen und nicht auf mich selbst, meine Situation und meine Befindlichkeit zu schauen. Das gibt eine innere Ruhe im äußeren Sturm.

5. Das eigene Gebet finden

Der Fantasie, mit Gott zu kommunizieren, sind keine Grenzen gesetzt. Madeleine Delbrêl (1904-1964), Gründerin einer christlichen Gemeinschaft und Sozialarbeiterin in den tristen Vororten von Paris, zündete sich am Anfang einer Besprechung oft betont langsam eine Zigarette an. Nur durch einen Zufall wurde bekannt, dass dieser kurze Augenblick für sie eine Gebetszeit war. Was ist Ihre Zigarette? Gehen Sie einmal Ihren Alltag vom Aufstehen bis zum Zubettgehen durch. Wo sind da Situationen, die Ihnen zu schaffen machen? Wo gibt es Momente, die Sie innerlich bewegen? Wo wollen Sie Gottes Gegenwart mehr erleben? Wo wollen Sie verändert werden? Überlegen Sie, wie Sie in diesen Situationen aktiv Gebete einbauen können, die Ihnen helfen, sich auf Gott und seine Realität zu fokussieren.

6. Übung macht den Meister

Beten Sie so oft wie möglich. Und versuchen Sie, dabei Ihre Tätigkeit nicht zu unterbrechen. Beten und arbeiten Sie gleichzeitig. Tun Sie das, was Sie tun, mit voller Hingabe. Und da hinein beten Sie einen kurzen Gedanken. Diese Gleichzeitigkeit zu erlernen braucht seine Zeit, viel Zeit. Seien Sie geduldig mit sich selbst. Sie werden auch merken, dass sich die Worte des anfänglichen Gebets verändern. Beten verändert das Gebet. Am Anfang brauchen Sie natürlich mehr Willenskraft, später immer weniger. Üben Sie über Wochen und Monate hinweg, geben Sie nicht so schnell auf. Es gibt kein Versagen! Jesus sieht Ihre Sehnsucht. Hauptsache ist, dass Sie nicht aufhören! Oder nach dem Aufhören immer wieder zuversichtlich starten.

7. Ausprobieren, Wiederholen, Dranbleiben

Beten lernen mit Kurzgebeten hat viel mit Ausprobieren, Wiederholen, Gebetsunlust und Dranbleiben zu tun. Wir müssen etwas einsetzen, wir müssen uns selbst investieren. Menschlicher Einsatz und Gottes Gnade sind dabei kein Widerspruch. Das ist wie beim Segeln. Der Segler macht sein Schiff klar, setzt die Segel, aber über den Wind verfügt er nicht. Unser Teil ist es, die Sehnsucht nach unserem lebendigen Gott zu kultivieren, und Gottes Teil ist es, dass er in seiner Gnade, Güte und Liebe sich uns offenbart und uns seine Gegenwart schenkt. Und er tut nichts lieber als das!


Diesen Artikel schrieb Dr. Andreas Kusch in einer längeren Version für das Magazin MOVO (Ausgabe 04/2020). Das Männermagazin erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag gGmbH, zu dem auch amen.de gehört.

Frau beim gebet

FAQ: Was ist eigentlich Gebet?

Zu wem bete ich als Christ? Was kann ich sagen? Neun Fragen und Antworten rund ums Beten.

  1. Was ist Gebet?

Beten ist Reden mit Gott. Es ist ein Gespräch, ein Zwiegespräch, dass den Menschen mit seinen innigsten Wünschen, Fragen, Sorgen und Nöten in Kontakt bringt. Es ist ein Reden, dass unbändiger Freude und Dankbarkeit Ausdruck verleiht und den Menschen im Diesseits und im Jenseits verortet. „Beten ist Atemholen für die Seele.“ So hat der Theologe und Priester John Henry Newman es einst formuliert. Ein kurzer Moment des Innehaltens. Ein Weg, um still zu werden und zur Ruhe zu kommen. Es ist Besinnung und Ausrichtung. Ausruhen und Kraftschöpfen. Es ist die Möglichkeit, Fragen, Klagen und Sorgen abzugeben und Liebe, Friede oder Freude anzunehmen.

Für viele Menschen ist beten eine Art der Meditation. Ein Weg, den Kopf von quälenden (oder auch einfach nur zu vielen) Gedanken zu befreien. Die Chance, Antworten auf Fragen zu bekommen und Dinge für sich klären zu können. Der Versuch, sich in dieser Welt zu verorten, sein Leben zu sortieren und sich im Wust der Möglichkeiten zu orientieren.

Wer zu Gott betet, stellt sich damit gleichzeitig aber auch in eine lange Tradition. Tritt ein in eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sowohl Orts- als auch Zeitgrenzen überschreitet. Seit Jahrtausenden reden die Menschen mit Gott, bringen ihm ihre Fragen und Sorgen, danken ihm für die schönen Dinge und Erfolge und bitten ihn um Beistand, Hilfe und Bewahrung für sich und andere. Gebet ist also ein Ausdruck der Erkenntnis, dass man nicht allein auf der Welt ist, dass es einen Schöpfer gibt, der die Welt in seinen Händen hält und dass es andere Menschen gab, gibt und geben wird, die einem selbst, und die Gott am Herzen liegen. Gebet ist eine Einbettung in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, eine Einbettung in die Geschichte der Menschen mit Gott.

Menschen, die mit verstorbenen Angehörigen sprechen, haben einen Weg gefunden, mit ihrer Trauer über den Verlust zu leben und halten die Verbindung zu dem Verstorbenen aufrecht. Auch wenn sie mitunter ähnliche Gefühle wie Ruhe, Frieden, Kraft aus solchen Zwiegesprächen ziehen, von Gebet spricht man in diesem Zusammenhang nicht.

  1. Warum sollte man überhaupt beten?

Man kann schlicht und ergreifend sagen: Weil es dir guttut. Die eigenen Gedanken zu ordnen, sich dabei selbst nicht zu überschätzen und Sorgen und Frust irgendwo abladen zu können, tut gut. Es ist schön zu wissen, dass es jemandem gibt, der zuhört. Der nicht verurteilt, der nicht dazwischen quatscht, keine fiesen Zwischenfragen stellt oder gar nur von sich redet. Es ist ein Fallenlassen, ein Loslassen, ein Zulassen.

Oder, wie oben (Frage 1) schon geschrieben: „Beten ist Atemholen für die Seele.“ So hat der Theologe und Priester John Henry Newman es einst formuliert. Ein kurzer Moment des Innehaltens. Ein Weg, um still zu werden und zur Ruhe zu kommen. Es ist Besinnung und Ausrichtung. Ausruhen und Kraftschöpfen. Es ist die Möglichkeit, Fragen, Klagen und Sorgen abzugeben und Liebe, Friede oder Freude anzunehmen.

Darüber hinaus ermutigt die Bibel an vielen Stellen zum persönlichen Gebet, wie in 1. Thessalonicher 5,17 oder in Philipper 4,6-7 – um nur mal zwei Stellen zu nennen. Jesus selbst, so liest man es in der Bibel (zum Beispiel in Lukas 5,16 oder Markus 1,35), hat viel gebetet, also mit seinem Vater im Himmel gesprochen. Er hat sich dafür sogar immer wieder extra Auszeiten genommen und sich an ruhige Orte zurückgezogen, um ungestört Gemeinschaft mit Gott haben zu können.

  1. Was bringt Gebet / Was bringt es, zu beten?

Zum einen bringt jedes Gespräch, dass du mit Gott führst dich näher zu dir selbst und zu Gott. Indem du sagst, was dich bewegt, was dir auf der Seele brennt, fokussierst du dich, sortierst dich, reflektierst dein Verhalten, deine Handlungen, deine Sichtweisen. Du kannst Fehler erkennen und eingestehen und um Vergebung bitten – was dir Erleichterung verschafft und guttut. Zum anderen führt dich das Gebet auch in eine Beziehung zu Gott. Gemeinschaft zu haben, Gemeinschaft mit dem zu haben, der dich geschaffen und in die Gemeinschaft mit sich berufen hat, ist das, was deine Seele sucht.

Und natürlich erhört Gott auch Gebete (auch wenn er kein Wunschautomat ist). Er lässt Wunder geschehen, erfüllt Bitten, gibt Kraft, stiftet Frieden, schenkt Heilung.

  1. Betende Hände auf einem Tisch

    pamela_d_mcadams / iStockphoto / via Getty Images

    Zu wem betet man?

Adressat der Gebete von Christen ist der dreieinige Gott: Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger Geist. Alle können explizit hervorgehoben oder in ihrer Gesamtheit angesprochen werden. Manchen Menschen hilft es, sich vorzustellen, sie sprechen mit Gott dem (liebenden, gerechten, barmherzigen, gnädigen, …) Vater, mit Gott als dem Schöpfer, dem Allmächtigen, dem Herrscher. Die einen suchen im Gebet eher die Nähe zu Gott dem Freund, dem Helfer in der Not, dem geduldigen Lehrer, dem Arzt. Andere wiederum sehnen sich nach Gott als dem Tröster, denken im Gebet an die weiblichen Eigenschaften, die Gott innewohnen. Und wieder andere sprechen explizit den Heiligen Geist an, bitten um dessen Kraft und Wirkmächtigkeit. Das kann natürlich von Gebet zu Gebet variieren, je nachdem, was dir auf dem Herzen liegt und was du vor Gott bringen möchtest.

Die katholischen Christen beziehen in ihre Gebete gerne Heilige mit ein, von denen sie sich Unterstützung für ihre Anliegen erhoffen. Schutzpatrone oder Heilige stehen quasi neben dem Beter vor Gott, bilden zusammen mit dem Betenden eine Art himmlische Gebetsgemeinschaft, in der sich Gebete der Engel, der Verstorbenen und der Lebenden vereinen.

  1. Wie betet man? Wie fängt man ein Gebet an?

Es gibt unterschiedliche Arten von Gebeten, deswegen auch verschiedene Möglichkeiten, ein Gebet zu beginnen. In einer akuten Gefahrensituation, in der du Gottes Beistand oder Hilfe brauchst, ist keine Zeit, für eine lange liturgische Einführung. Da ist ein „Herr, hilf!“ angemessen. Im Gottesdienst oder einer persönlichen Stillen Zeit ist natürlich mehr Ruhe und Raum, um Gott in all seiner Herrlichkeit anzusprechen und ihn zu loben und zu preisen. Da kann es helfen, Gott mit mehreren seiner Titel oder Beschreibungen anzusprechen, um auszudrücken, mit wem man da eigentlich gerade spricht. Ansonsten: Sprich mit Gott so, wie du mit einem engen Vertrauten sprechen würdest. Natürlich respektvoll, ehrlich, und vertraut. Wenn du ein Gespräch beginnst, sagst du auch meist: Hallo, Liebe/r XY, oder etwas ähnliches. Die Anrede Gottes mit „Lieber Vater“, „Herr im Himmel“, „Gott, du Allmächtiger“, „Herr, Jesus Christus“, „Lieber Herr, Jesus“, oder ähnliches zeigt: Jetzt ist Zeit für dich und Gott. Jetzt sprichst du mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde.

Der Ort, an dem man ein Gespräch mit Gott beginnt, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Egal, ob auf dem Sofa, am Schreibtisch oder in der Kirche. Du kannst mit Gott sprechen, während du duschst, deinen Kaffee trinkst, aus dem Fenster guckst. Natürlich ist es aber besonders schön, wenn du dir wirklich Zeit für ein Gebet nimmst. Morgens nach dem Aufstehen, die Gedanken sortieren und während einer Stillen Zeit den neuen Tag vor Gott bringen. Oder am Abend noch mal einen Moment ruhig werden und Gott um Segen für die Nacht bitten. Tischgebete vor den Mahlzeiten helfen dabei, achtsam und bewusst zu essen und genießen. Auch zwischendurch, immer mal wieder am Tag, kannst du einen kurzen Moment innehalten, ein paar tiefe Atemzüge nehmen und dich auf Gottes Gegenwart einlassen.

Beten muss natürlich nicht immer ein Gespräch sein. Man kann seine Gedanken und Gebete auch aufschreiben. Ähnlich wie beim Schreiben von Briefen oder Tagebuch ordnet man Gedanken, richtet sie an ein Gegenüber und bringt so alles vor Gott, was einen bewegt. Gedichte, Lieder, Briefe, Gedankensplitter – alles, was dir aufs Papier kommt, kann eine Form des Gebets sein. Wenn die Herzenshaltung stimmt.

Wichtig beim Beten ist, dass es ehrlich geschieht. Lügen, Prahlerei, Hochmut und Scheinheiligkeit sind vor Gott absolut fehl am Platz. Ehrlichkeit, Demut, Dankbarkeit – das sind Grundhaltungen, die zu einem Gebet passen.

Das Ende des Gesprächs wird durch das Wort „Amen“ gezeigt. Es bedeutet so viel wie „So sei es“ und umfasst noch einmal all das, was im Gebet gesagt, gedacht, gefühlt – und von Gott empfangen wurde. Man macht dadurch deutlich, dass man Gott die Macht, das letzte Wort zugesteht. Es soll so geschehen, wie er es für richtig hält.

  1. Was betet man?

Du kannst Gott alles sagen. Über Wünsche, Sorgen, Ärgernisse, Fragen, Zweifel sprechen. Ihn bitten, auf dich und andere aufzupassen. Sein Eingreifen in Geschehnisse oder Situationen, die dich beschäftigen und bewegen, erbeten. Du kannst Gott loben und preisen. Du kannst ihn fragen, wie er dieses oder jenes gemeint hat, kannst mit ihm den Bibeltext, den du neulich gelesen hast, durchgehen. Du kannst mit ihm über die politischen Ereignisse reden, ihn bitten, dass er Wunder geschehen lässt und ihm danken, dass er dich und deine Lieben so lange schon begleitet oder durch Täler hindurchgetragen hat.

Die verschiedenen Arten zu beten, kann man gliedern in:

Dank: Es gibt so viele Dinge, für die du dankbar sein kannst. Das können Kleinigkeiten sein, wie die frische Frühlingsluft oder die Möglichkeit in Ruhe einen Kaffee getrunken zu haben. Aber natürlich auch für größere Dinge wie Bewahrung, Kraft oder Heilung.

Lob: Gott ist gut. Er ist gnädig und barmherzig. Er hat die Welt geschaffen – mit allem Wunderbaren darin. Und er hat die Menschen geschaffen, liebt sie und sehnt sich nach Gemeinschaft mit ihnen. Auch wenn es sich vielleicht nicht immer so anfühlt, Gott hält die Welt in der Hand und ist den Menschen nah. Wie groß und gut dieser Gott, unser Schöpfer ist!

Bitte / Fürbitte: Bitte, lass mich den Bus noch erwischen! Bitte mach, dass Katrin dich kennenlernt und als ihren Herrn annimmt. Bitte mach das Andreas wieder gesund wird. Bitte pass auf meinen Sohn auf und begleite ihn auf seiner Reise. Bitte segne meine Tochter und die Arbeit, die sie tut. Bitte schenke mir die nötige Ruhe und Konzentration, damit ich diesen Text gut hinkriege. Auch hier gilt: Du kannst Gott um alles bitten. Für dich, für andere, für die Welt. Aber es bleibt ihm überlassen, ob er die Bitte der Menschen erfüllt – und wie er es tut.

Reue: Wir alle machen Fehler. Jeden Tag. Mal fällt es uns direkt auf, mal erst, wenn andere (Gott) uns darauf hinweisen. Manchmal tun wir fiese Dinge mit Absicht, manchmal verletzten wir andere ganz unabsichtlich. Das Wissen um unsere eigene Schuldhaftigkeit, lässt uns demütig gegenüber anderen werden. Doch mit der Schuld leben, müssen wir nicht. Wir dürfen sie bei Gott bekennen und abgeben. Jesus ist für uns, für unsere Schuld am Kreuz gestorben, das können wir jeden Tag neu in Anspruch nehmen.

Klage: Nicht immer läuft alles rund. Ängste quälen uns. Fragen halten uns nachts wach. Zweifel treiben uns um. Wir leiden, haben Schmerzen, verspüren große Not. Auch das dürfen wir Gott alles bringen. Wir dürfen ihm auch das alles vor die Füße knallen. Dürfen unseren Frust, unseren Schmerz rausschreien. Gott hält das aus. Er tröstet uns und baut uns wieder auf.

Zuhören: Nicht immer geht es ums Reden. Manchmal ist es auch dran, schweigend vor Gott zu treten, ihn in seiner Gegenwart wahrzunehmen, ohne diesen heiligen Moment durch Geplapper kaputt zu machen. Und gerade wenn man Fragen an Gott gestellt hat, braucht es die Momente, in denen man ruhig wird und auf Gott hört. In denen man Gott den Raum lässt, zu antworten. Augenblicke, in denen man achtsam wahrnimmt, was um einen herum passiert, in denen man konzentriert in der Bibel liest, Minuten, in denen man aus dem Fenster auf Gottes Schöpfung sieht und in denen man sich von Gottes Geist umhüllen lässt, wie vom warmen Wasser in einer vollen Badewanne.

  1. Betende Hände

    Symbolbild: Getty Images / iStock / Getty Images Plus / Jantanee Rungpranomkorn

    Welche Gebete gibt es?

Das bekannteste Gebet ist mit Sicherheit das Vaterunser aus der Bibel. Im Matthäusevangelium 6,9-13 und im Lukasevangelium 11,2-4 erklärt Jesus den Jüngern wie sie beten können und gibt ihnen das Vaterunser als Gebet mit an die Hand. Wenn einem also die Worte fehlen und man nicht weiß, was man Gott sagen soll, darf man sich ruhig anderer Worte bedienen. Neben dem Vaterunser bieten die Psalmen einen riesigen Fundus an Gebeten, die alle möglichen Facetten des Lebens abdecken. In Gebetbüchern findet man Worte begeisterter Jesusnachfolger, die womöglich auch schon mal das vor Gott gebracht haben, was man selbst gerade fühlt, jedoch nicht in Worte fassen kann.

Auch Lobpreislieder sind Gebete. Die Lobpreiszeit im Gottesdienst dient als Gebetszeit, als Raum, um vor Gott zu kommen, ihn zu ehren, ihn zu preisen und mit ihm in Kontakt zu treten. Um Gott mit Liedern zu ehren muss man kein begnadeter Musiker / Sänger sein. Man kann die Texte wie Gedichte vorlesen, über einzelne Zeilen meditieren. Man kann die Lieder abspielen und sich ganz der Musik und dem Text hingeben, man kann sie mitsummen oder auch mitspielen (wer ein Instrument beherrscht) und mitsingen – selbst, wenn es schief klingen sollte. Auch ein eigener Text zu einer bekannten Melodie zu schreiben ist eine Form des Gebets.

Übrigens: Auch Schweigen vor Gott ist ein Gebet. Unter engen Vertrauten kommt es nicht darauf an, dass man in einem fort plappert, auch Stille, die sich wie ein Band um die Gesprächspartner legt, ist eine Form der Kommunikation, der Beziehung zu Gott.

  1. Was kann man tun, wenn man nicht beten kann?

Wer das Gefühl hat, nicht selbst vor Gott treten zu können oder meint, nicht die richtigen Worte zu finden, kann sich zunächst fremder Worte (Psalmen, Gedichte, Lobpreislieder, Vaterunser) bedienen und diese beten. Oder man geht ehrlich auf andere zu, gibt zu, gerade nicht die Kraft oder die Worte zu haben, um selbst beten zu können. Bekennt, dass man vielleicht gerade an Gott, an seiner Liebe, Güte oder Macht zweifelt und bittet um Gebet. Um Unterstützung und Begleitung. Auch da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Im Rahmen eines Gottesdienstes oder Seelsorge-Gesprächs kann der Gesprächspartner ein Gebet sprechen und einem dabei die Hand auflegen. Auch Segnen ist eine Form der Fürbitte. Wenn im Alltag ein gemeinsames Gebet nicht möglich ist, kann es helfen, wenn man weiß, dass andere in ihren Gesprächszeiten mit Gott die eigenen Anliegen mitbeten und vor Gott bringen.

Tipp: Online findet man geführte Gebetszeiten, Texte zum Beten und Gebete für verschiedene Anlässe. Auch auf Jesus.de gibt’s Ideen zum Beten, wie die 15 schönsten Tischgebete, Abendgebete, Stundengebete oder Kurzgebete für den Alltag.

  1. Wie kann man für sich beten lassen?

Du glaubst, es gibt niemanden, der für dich beten könnte, weil niemand aus deinem Umfeld Christ ist? Wie gut, dass die Digitalisierung auch in christlichen Kreisen Einzug gehalten hat. Inzwischen gibt es Plattformen, auf denen man für sich beten lassen kann. Virtuell und über einen bestimmten Zeitraum hinweg, in den persönlichen Gebetszeiten.

amen.de: Inzwischen wurde auf der Website (oder über die dazugehörige App) über drei Millionen (!) mal gebetet. Und das Ganze ist simpel zu starten und komplett anonym. Einfach ein Gebet eingeben – und andere, registrierte Nutzer erfahren von dem Anliegen und beten los. Besonders schön: Wer Gottes Wirken erlebt, kann diese Freude mit den anderen Nutzern von amen.de teilen. Die Gebetswebsite ist natürlich absolut kostenlos und wird über Spenden finanziert.

praybox.de: In der Praybox treffen sich junge Christen. Egal, ob es sich um Liebeskummer, Stress mit den Eltern oder Prüfungsangst handelt – alle Sorgen können im Gebetsfenster eingegeben werden und andere Teens beten. Auch hier kann man Gottes Wirken mit den anderen Teilnehmern teilen. Und genauso wie die „Erwachsenen-Variante“ ist auch Praybox als App verfügbar und komplett kostenlos – und um Anliegen einzustellen auch anonym nutzbar. Wer für andere Teens beten möchte, muss sich jedoch online registrieren.


amen.de und Praybox sind Angebote von Jesus.de

amen.de für Teenager: Die Praybox startet in die heiße Phase!

Teens beten für Teens – nach fast einem Jahr Vorarbeit geht unser Traum einen wichtigen Schritt Richtung Realität: Ab sofort können sich Teenies unter praybox.net als Beter registrieren und alle anderen können das Projekt finanziell unterstützen!

Viele christliche Teens sind begeisterte Beter. Mit der Praybox bieten wir ihnen erstmals die Möglichkeit, für Anliegen anderer Teens irgendwo in Deutschland zu beten und sofort Feedback zu bekommen, was passiert ist. Das System ist dasselbe wie bei amen.de. Zusätzlich bauen wir ein Team zur seelsorgerlichen Erstreaktion auf  schwerwiegende Anliegen auf.

Nun liegt es an euch: Praybox.net ist freigeschaltet! Wir haben einen neuen Film zum Teilen in sozialen Netzwerken oder zum Zeigen im Gottesdienst produziert. Viele Teens sollen erfahren, dass sie bei Praybox ein Abenteuer der besonderen Art erleben können. Und möglichst viele Christen sollen erfahren, dass wir noch viel Unterstützung brauchen, damit Praybox wirklich loslegen kann. Denn wir haben noch viel Arbeit vor uns:

  • Der Praybox liegt die amen.de-Technik zugrunde, aber die muss angepasst und eine andere Gestaltung bekommen. Daran arbeiten die Programmierer gerade.
  • Die brandneue App für Smartphones (ohne die geht gerade bei Teenies nur halb so viel) muss von Grund auf entwickelt und programmiert werden. Sie wird dann übrigens auch amen.de zugute kommen!
  • Wir bauen ein Seelsorgeteam für eine professionelle Reaktion bei bestimmten Anliegen wie Selbstmordankündigungen oder offensichtlichem Missbrauch auf. Gerade für Teenager ist das wichtig.

Wir freuen uns sehr auf das Projekt! Bitte helft uns, dass wir es stemmen können!

 Infos, Flyerbestellung und das Spendenformular findet ihr auf

www.praybox.net - hier klicken!

 

Die Kollegen der Zeitschrift Teensmag sind übrigens heute auf dem Youth Prayer Kongress in Bad Liebenzell und stellen dort Praybox.net den über 1.000 Teenagern vor, die sich dort zum Beten versammelt haben:

YouPC2

Wir wünschen allen Teenies dort, unseren Kollegen und natürlich euch ein gesegnetes Wochenende!

Euer amen.de-Team